Dritter Bildungsweg - Ein Weg in die Zukunft!

Meine Idee befasst sich mit dem Thema des sogenannten „dritten Bildungsweges“ und wie dieser die Universität Kassel in den nächsten 15 Jahren beeinflussen und verändern wird.

Im Jahr 1960 haben 6.1% aller Schulabgänger die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife abgeschlossen. Heutzutage verlassen über 40% die Schule mit dem Abitur und die Kultusministerien vermelden Jahr für Jahr höhere Abschlusszahlen und Rekorde bei den Studienanfängern (1). Dennoch klagen Arbeitgeberverbände über große Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen mit Fachkräften. Woran liegt das? Viele junge Menschen glauben, dass ausschließlich ein Abitur ein Studium ermöglicht und es wichtig ist so früh wie möglich das Studium abzuschließen. Jedoch legen Unternehmen immer größeren Wert darauf, dass ihre zukünftigen Fachkräfte schon Praxiserfahrung gesammelt haben und bevorzugen Hochschulabsolventen, die eine Ausbildung absolviert haben oder bereits im Berufsleben standen. In Deutschland ist es möglich, über den sogenannten „dritten Bildungsweg“ ein Studium an einer Hochschule zu absolvieren, obwohl keine allgemeine Hochschulreife erlangt wurde. Durch diese Option haben Angestellte die Möglichkeit nach dem Abschluss eines Studiums in ihrem Unternehmen aufzusteigen und die Wirtschaft profitiert von Fachkräften, die sie selbst ausgebildet hat. Besonders in den MINT-Bereichen, in denen es den größten Fachkräftemangel gibt, ist es notwendig diesen „Aufstieg durch Bildung“ zu fördern. Ein Blick auf die Statistiken verrät jedoch, dass die Option des „dritten Bildungsweges“ öffentlich kaum wahrgenommen wird, beziehungsweise keine ausreichende Förderung erhält. Im Jahr 2011 haben lediglich 11.907 junge Menschen diese Möglichkeit wahrgenommen, während es im selben Jahr insgesamt 522.300 Studienanfänger gab (2). Mit der im Jahr 2008 gestarteten „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“ versuchen die Kultusministerien studieninteressierte Auszubildende zu unterstützen und verpflichten Universitäten die Durchlässigkeit bei der Zulassung für beruflich Qualifizierte zu verbessern.

In den nächsten Jahren wird die Alternative zum Studium an einer Universität, das duale Studium, zu einem immer beliebteren Konkurrenten der Universität. Die Wirtschaft wird zunehmenden Druck auf Politik und Universitäten ausüben, um ihren „Hunger“ nach praxiserfahrenen Fachkräften zu stillen und so ein hochschulpolitisches Umdenken herbeiführen. Um diesem Wandel zu begegnen wird die Universität Kassel mehr Studenten zulassen, die sich anstatt mit der allgemeinen Hochschulreife, mit ihrer beruflichen Ausbildung qualifiziert haben. Die Universität Kassel sollte bis 2030 aktiver auf ihren Websites, bei ihrer Studienberatung und Vorträgen für den „dritten Bildungsweg“ werben und die Studienbedingungen an die zunehmend heterogene Studentenschaft anpassen. Durch flexiblere Stundenpläne, praxisbezogene Studiengänge, online-Vorlesungen/Seminare und eine engere Verknüpfung mit der lokalen Wirtschaft kann die Universität Kassel den „Strukturwandel“ der nächsten 15 Jahre vollziehen und eine Vorreiterrolle im deutschen Bildungssystem einnehmen.

Vorteile:
- Professoren können auf schon vorhandenes Wissen bauen und es ist einfacher Forschungsprojekte die praktisches Arbeiten erfordern umzusetzen (besonders in den MINT-Bereichen)
- Es könnte zu einem „Knowledge Spillover“ von den bereits beruflich qualifizierten Studenten zu den über das Abitur zugelassenen Studenten kommen  voneinander lernen wird erleichtert
- Hochschulabsolventen können zunehmend auf praktisches und nicht nur theoretisches Wissen zurückgreifen
- Der Fachkräftemangel ist rückläufig

Nachteile:
- Es könnte schwierig sein die Studienbedingungen und Stundenpläne an arbeitende und nichtarbeitende Studenten anzupassen, sowie die Lehrinhalte für Studenten mit unterschiedlichem Know-How zu gestalten

(1) Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
(2) Arbeitsagentur