Konvergierende Bereiche des universitären Alltags

Die Universität Kassel befindet sich im Jahr 2030 in einem höchst dynamischen Umfeld, welches weit über die bisherigen universitären Grenzen hinausgeht und eine Verzahnung unterschiedlicher sozialer Bereiche darstellt. Insbesondere die Auswirkungen des privaten sowie gesellschaftlichen Sektors werden einen größeren Einfluss auf die Universität ausüben. Die sich stets rasant weiterentwickelnde IKT wird hierbei eine moderierende und interdependente Stellung einnehmen. Die beigefügte Abbildung illustriert das zukünftige Spannungsfeld, indem sich die Universität Kassel wiederfinden wird.

1) Privat

Der private Sektor der Studierenden wird in Zukunft noch stärker unter dem Aspekt der Vereinbarkeit von Freizeit und Universität geprägt sein. Eine scharfe Trennung von Familie, Hobby, Beruf und Bildung ist schon längst nicht mehr erkennbar und wird in einigen Jahren zunehmend verschwinden. Das simultane Erleben von Freizeitaktivitäten und Wahrnehmen universitärer Pflichten wird ein dominierender Faktor im Entscheidungsprozess der Studierenden sein und daher eine künftige USP der Hochschule darstellen. Vor diesem Hintergrund wird der universitäre Alltag neu reflektiert und beurteilt werden. Flexibilität in der Alltagsgestaltung stellt in Zukunft, insbesondere für junge Menschen, keinen Luxus mehr dar. Die freie, selbstbestimmte Einteilung von universitären und privaten Aktivitäten wird ein essentieller Faktor moderner Hochschulwahrnehmung sein. Zeit- und Ortsunabhängigkeit wird sogar heutzutage schon an die Leistungsangebote der Universitäten gestellt, sodass sich diese Kriterien künftig als Voraussetzungen und Merkmale einer modernen Hochschule etablieren. Darüber hinaus ist ein Trend der zunehmenden Individualisierung zu erkennen, welcher in den kommenden Jahren noch stärker in den Vordergrund des Universitätslebens treten wird.

Implikationen:
Für die Universität Kassel wird es mit Blick auf das Jahr 2030 darauf ankommen, inwiefern der private Sektor von Studierenden mit dem universitären Alltag harmonisiert werden kann. Eine effiziente sowie innovative Modularisierung von universitären Leistungen kann hierbei dem Bedürfnis nach Individualität sowie Flexibilität der Studierenden entsprechen. Ebenso wird eine aktivere Integration der Freizeitgestaltung erfolgskritisch sein. Ein umfassendes IT-basiertes Konzept, welches diese Faktoren gewährleistet bzw. fördert kann hierbei als Lösungsansatz dienen.

2) Gesellschaft

Der demografische Wandel innerhalb unserer Gesellschaft ist kein neues Phänomen, dennoch sind seine Auswirkungen auf viele Bereiche des menschlichen Lebens von zunehmender Relevanz. Die steigende Anzahl älterer Menschen wird eines der zentralen gesellschaftlichen Themen bleiben, sodass sich hieraus auch Handlungsbedarf für die Universitäten ergibt. Inwiefern können ältere Menschen in den universitären Alltag integriert werden bzw. diesen bereichern. Es wird daher darauf ankommen, entsprechende Leistungspakete innerhalb der Lehre sowie der Forschung zu entwickeln, in denen die ältere Generation angesprochen wird. Die Universität Kassel würde hierdurch einen gesellschaftlichen Auftrag von hoher Relevanz wahrnehmen und auch medial davon profitieren. Durch die Gestaltung von entsprechenden Veranstaltungen sowie die Durchführung gemeinsamer AGs oder Projekte können zudem gegenseitige, intergenerative Lehr-/ Lernkonstellationen entstehen, welche zu interdependenten Nutzensituationen führen. Von und mit der goldenen Generation lernen wird in Zukunft auf der universitären Agenda erscheinen. Die älteren Menschen unserer Gesellschaft könnten so beispielsweise aktiv in wissenschaftliche Forschungsdesigns eingebunden werden und im Gegenzug an kostenlosen Seminaren teilnehmen.
Ein weiterer Aspekt betrifft das Einbeziehen unterschiedlicher Nationalitäten im universitären Umfeld. Die Effekte zunehmender Internationalität an den Universitäten bergen verschiedene Potenziale, welche mittels geeigneter Rahmenbedingungen noch stärker genutzt werden sollten. Im Allgemeinen sollte die Internationalität in die gesamte Hochschule (in Lehre, Forschung und den gesamten Dienstleistungserstellungsprozess) integriert werden. Wissen und Wissenschaft wird zunehmend durch interkulturelle und transnationale Bedingungen betrieben. Diese positive Entwicklung wird sich in Zukunft noch intensiver und komplexer zeigen, sodass seitens der Universität Kassel frühzeitig darauf reagiert werden muss.
Im Zuge der klimatischen, globalen Umweltentwicklung kommt dem Thema Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren ebenfalls ein hoher Stellenwert zu. Die Ausrichtung von Forschungsaktivitäten sowie Aspekten einer universitären CSR an ökologischen Kriterien wird essentiell sein. Ein nachhaltiges Denken sollte sich daher speziell in zukünftigen Universitätsrichtlinien wiederfinden. Die Anpassung der universitären Aktivitäten und Leistungen an eines der gesellschaftsrelevantesten Themengebieten ist daher unabdingbar.

Implikationen:
Auch hierbei ist der aktive Austausch zwischen den Generationen, zwischen Nationalitäten sowie hinsichtlich ökologischer Themen über eine effektive Plattform abzubilden. Die IT-basierte Kommunikation sollte entsprechend aller Spezifikationen gestaltet werden, sodass ein kollaboratives, interaktives Wirken ermöglicht wird. Moderne IKT, welche über die Nutzung von Foren, Websites und Apps hinausgeht wird im Fokus der Betrachtung stehen. Das gesellschaftsorientierte Auftreten und die aktive Integration gesellschaftspolitischer Themen stellt eine umfangreiche Aufgabe der Zukunft dar, ist jedoch gleichzeitig eine große Chance der Universität Kassel sich medial zu positionieren. Durch ein proaktives Aufgreifen relevanter Themen und der Integration in den eigenen Leistungserstellungsprozess kann die Universität Kassel soziale Verantwortung übernehmen. Die multiplikatorische Wirkung der Presse sollte hierbei mit Blick auf eine positive Außendarstellung frühzeitig genutzt werden.

3) Universität

Die Lehre der modernen Universität wird sich noch mehr von der klassischen Präsenzphase entfernen und parallel zur technologischen Entwicklung neue Formen annehmen. Im Zuge dessen werden sich speziell die Lerninhalte in Darstellung und Form weiterentwickeln. Ebenso wird es neue Wege der Bearbeitung sowie des Transports von Inhalten geben, die frühzeitig erkannt und schnellst möglich implementiert werden sollten. Heutige Ansätze wie bspw. im Bereich des Cloud Computing lassen gewisse Tendenzen erkennen. Desweiteren wird die Kommunikation zwischen Dozent und Studierenden vielschichtiger und komplexer, bedingt durch die stets wachsenden technologischen Möglichkeiten.
Die universitäre Forschung sollte sich wie bereits angedeutet für zunehmend gesellschaftspolitisch relevante Themen sensibilisieren. Diese Ausrichtung muss im Einklang mit der infrastrukturellen Situation der Universität stehen. So deutet die aktuelle räumliche Expansion der Universität Kassel eine stetige Entwicklung an, welche im Jahr 2030 nicht an Relevanz verloren haben wird. Die sozialen Entwicklungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Demografie sowie neue Technologien, sollten die Hochschule zu innovativen Raum-/ Ressourcenkonzepten bewegen. Diese neuen Konzepte könnten einer zeit- sowie kostenintensiven physischen Expansion entgegenwirken und mit Blick auf eine abnehmende Präsenzlehre zukunftsfähige Infrastrukturen beschreiben.

Implikationen:
Die Universität Kassel sollte im Zuge einer zukunftsorientierten Selbstreflektion feststellen, dass die o.g. gesellschaftspolitischen Veränderungen eine Agenda aufwerfen, welche es frühzeitig zu bearbeiten gilt. Im Kern werden diese Auswirkungen durch entsprechend moderne Konzepte in den Bereichen Infrastruktur, Leistungsspektrum sowie IKT internalisiert. Die Schnittstellen und Interdependenzen zu dem privaten Bereich der Studierenden sowie der Gesellschaft sollten hierbei berücksichtigt werden.

4) IT

Die IKT wird wie schon in den vergangenen Jahrzehnten eine treibende Kraft im Rahmen von Veränderungsprozessen sein. Als Bindeglied zwischen den konvergierenden Bereichen (Universität, Privat, Gesellschaft) nimmt die moderne IT eine Schlüsselfunktion ein. Durch eine effektive und umfassende IT kann das Ziel der Harmonisierung dieser Bereiche erreicht werden. Die Universität Kassel sollte daher frühzeitig ein IT-basiertes Gesamtkonzept entwickeln, welches die künftige Attraktivität sowie Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule sicherstellt. Hierbei werden über die aktuell bekannten Formen der IT (Apps, Internet, mobile Endgeräte) hinaus, neue Kommunikationswerkzeuge und Technologien zum Einsatz kommen. Die so entstehenden Netzwerke werden sich nicht nur auf eine soziale Ebene (z.B. Privates) beziehen, sondern ein Geflecht aus verschiedenen Bereichen darstellen, in dem gesellschaftliche, private und universitäre Ebenen verschmelzen.

Bilder: 
Das Spannungsfeld konvergierender Bereiche der Universität 2030