„Student-Touchpoints (STP)“

Problemstellung

Eine mitunter große Herausforderung, insbesondere für jüngere Semester, stellt die Orientierung bzw. das Kennenlernen des Campus der Universität Kassel dar. Die Mehrzahl der neuen Studierenden haben keine oder nur sporadische Studienerfahrung, woraus per se ein großer Informationsbedarf resultiert.
Aufgrund der spezifischen infrastrukturellen und gebäudetechnischen Gegebenheiten der Universität Kassel, stellt sich die physische Orientierung auf dem Universitätsgelände gerade für Erstsemester schwierig dar. Die aktuellen Bauarbeiten auf dem Campus sowie die organisatorischen Umstrukturierungen intensivieren den Bedarf an einfachen, aber gleichzeitig effektiven Orientierungshilfen. Kombiniert mit einer intuitiven Bedienung, kann eine solch stationäres Instrument nicht nur den Convenience-Faktor vor Ort erhöhen, sondern gleichzeitig als innovatives Marketinginstrument der Universität Kassel dienen.
Die Idee geht daher in Richtung eines effizienten, innovativen und vor allem leichtbedienbaren Instruments, welches die Orientierung sowie die Informationen auf dem Campus optimiert und den Studierenden eine nützliche Hilfe im universitären Umfeld ist. Die Betreuungsqualität sowie die Info- bzw. Serviceleistungen der Universität könnten in diesem Zusammenhang direkt verbessert werden

Technik und Best Practices

Die technologischen Grundlagen dieser Idee liegen im Bereich der NFC (Near Field Communication) Die Nahfeld-Kommunikation stellt eine Übertragungstechnik für Kurzstreckenfunk dar und übermittelt schnell und – anders als Bluetooth- ohne komplizierte Anmeldeprozedur Daten zwischen mobilen Geräten und einer Empfangsstation (hier: die Student-Touchpoints). NFC kann hierbei mit aktiven Geräten als Zugriffschlüssel an Terminals auf Inhalte und für Services verwendet werden. Aktuelle Anwendungsgebiete sind vor allem in der bargeldlosen Zahlung, papierlosen Eintrittskarten, Online-Streaming oder als Zugangskontrolle anzuführend.
Die Deutsche Bahn setzt diese Technik in ihrem „Touch&Travel-Konzept“ bereits flächendeckend ein. Da es in der Vergangenheit jedoch noch wenig NFC-kompatible Endgeräte gab, hat sie eine weitere Kommunikationsmöglichkeit eingebaut. Mittels eines QR-Codes am Touchpoint, der abzufotografieren oder dessen Nummer einzutippen ist, konnte die Datenübertragung sichergestellt werden. Dieser etwas kompliziertere Weg ist zwar weniger konfortabel stellt die Orientierungs- bzw. Informationsfunktion auch für Studierende ohne NFC-Gerät sicher. Dennoch liegt die Zukunft laut einiger Experten nicht in den QR-Codes, sodass sich eine frühzeitige Investition in NFC lohnen könnte.
Daher weckt diese Technologie große Hoffnungen auf eine massenhafte Verbreitung mobiler Mehrwertdienste, welche insbesondere auch für Universitäten zu einem wettbewerbsdifferenzierenden Faktor werden kann. Prognosen sagen voraus, dass bis zum Jahr 2014 ca. in der Hälfte aller Smartphones NFC-Technologie implementiert sein wird. Auch der Echteinsatz im Ausland sowie der seit 2011 NFC-kompatible deutsche Personalausweis unterstreichen die Zukunftsfähigkeit dieser Technologie. Desweiteren sind ab August 2012 alle neuen EC-Karten des Sparkassenverbandes und der Genossenschaften mit NFC-fähigen Chips ausgestattet.
Aus diesen prognostizierten Entwicklungen sowie den universellen Einsatzmöglichkeiten, lässt sich ein enorm hohes Anwendungspotenzial im universitären Bereich vermuten, welches im Vergleich zu bekannten Systemen (QR-Codes/ Strichcodes) als zukunftsfähiger einzuschätzen ist.

Mögliche Einsatzgebiete an der Universität Kassel

Asta/ Studentenwerk

Als Informationsinstrument für aktuelle Veranstaltungen und Hinweis auf anstehende Festivitäten, könnten die STP die Studierenden auf dem neusten Stand halten. Desweiteren sind Newsletter, Beiträge und Aktuelles über die STP aufzurufen, wodurch der Studierende im universitären Umfeld direkt über seine Hochschule informiert wird.
Auch wäre eine vereinfachte Ticketing-Funktion nach Bahnbeispiel denkbar, die es den Studierenden ermöglicht, via STP bereits vorab Eintrittskarten und/oder Vorbestellungen für Unipartys sowie andere Veranstaltungen zu erwerben/ reservieren.

Infrastruktur

Gerade die notwendigen Orientierungshilfen könnten durch die STP in Form von Gebäude- und Fachbereichsinformationen abgebildet werden. Die relevantesten Informationen über Räume, Raumbelegungen, ansässige Fachbereiche, Professoren, Institutionen etc., würden insbesondere für Studienanfänger eine erhöhte Servicequalität bedeuten. Durch die intuitive Bedienung mittels mobilem Endgerät, kann der Student vor Ort wichtige Informationen zu seinen Veranstaltungen und den dazugehörigen Lokalitäten kognitiv verknüpfen, sodass eine effizientere Orientierung auf dem gesamten Campus vermutet werden kann. Da der Studierende innerhalb von Sekunden seinen eigenen Standpunkt bestimmt, kann er sich unmittelbar über die wichtigsten Fakten informieren und optimal auf dem Universitätsgelände zurechtfinden. Die STP würden eine Art elektronischen Wegweiser für den Campus darstellen.
Desweiteren stellen die STP für die einzelnen Fachbereiche ein effizientes Instrument zur Personalrekrutierung dar. Infos zu Uni Jobs (Hiwis, Tutoren etc..) könnten direkt durch den Fachbereich auf die STP hochgestellt werden und die potenziellen Interessenten (Studierenden) direkt sowie unmittelbar ansprechen. Die physische Nähe vom Studierenden zum potenziellen Arbeitgeber könnte zur Folge haben, dass sich die Bewerbungsabsicht bzw. -quote erhöht. Der STP würde quasi ein stationären Support zum Job-Portals der Universität Kassel darstellen, welcher zu einer effizienten Personalbeschaffung beitragen kann.
Ähnlich einem Schwarzen-Brett wären die STP in der Lage, auf verschiedenen Sprachen den z.T. komplexen Uni-Alltag für ausländische Kommilitonen zu erleichtern. Mühsame administrative Wege und Aufwände würden durch den Einsatz der STP minimiert. Das Betreuungsangebot kann somit internationaler gestaltet werden und bestehende Komplexität reduzieren.

Mensa/ Pavillon/ Bibliothek/ Parkplatz

Wie bereits aus den o.g. Best Practices ersichtlich, könnten die STP mehrere Funktionen im gastronomischen Bereich wahrnehmen. Einerseits wäre die Bezahlung durch NFC (insbesondere bei geringen Beträgen) aber auch die Pfandrückgabe möglich. Eine effizientere, schnellere und komfortablere Bestellung/Bezahlung/Rückgabe des Kaffees würde Kosten einsparen und die Servicequalität erhöhen. Diese Prozesse könnten vor allem mittags zu den Stoßzeiten durch den Einsatz der STP optimiert werden.
Ebenso sind Anwendungspotenziale im Bereich der Bücherentleihe sowie-rückgabe zu identifizieren. Inwiefern eine noch effiziente Prozessgestaltung auf Bibliotheks-Ebene möglich ist, sollte daher konzeptionell geprüft werden. Ebenso könnte das Bezahlen von Kopieren umer die STP dargestellt werden.
Die vereinfachte Bezahlung der Parkplatzgebühren würden das nervenzehrende Vorhalten und Abzählen von Kleingeld egalisieren. Der ohnehin anstrengende (teilweise frustrierende) Prozess der Parkplatzsuche würde zudem ein studierenden-freundliches Feature gewinnen.

Prüfungsbereich

Eine mittelfristige Einsatzmöglichkeit beschreibt die Verwendung zur Authentifizierung innerhalb von Prüfungssituationen. Gerade bei Grund-/ Massenveranstaltungen kann die Überprüfung von Personalien und Legitimationen einen erheblichen personellen sowie zeitlichen Aufwand beinhalten. Mittels der STP wäre es konzeptionell denkbar, insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Personalausweise, eine NFC-basierte Authentifizierung durchzuführen. Ferner könnte die ebenfalls aufwändige Sitzplatzverteilung mittels STP gelöst werden. So müsste der Studierende lediglich sein Smartphone an den STP halten, um ggf. grafisch-gestützte Informationen über seinem Sitzplatz zu erhalten und diesen schneller zu lokalisieren. Vor diesem Hintergrund ist ebenfalls mit einer Zeit- und Kostenersparnis sowie einer erhöhten Qualität der Serviceleistung für die Studierenden zu rechnen.

Vorteilsargumentation

Die oft geforderte Multifunktionskarte (MFK) entspricht lediglich der Herstellung eines bereits etablierten Status-Quo innerhalb der Universitätslandschaft. Daher würde die Einführung einer MFK kein Differenzierungspotenzial gegenüber anderen Universitäten darstellen. Das Potenzial eine USP für die Universität Kassel zu werden, ist bei den NFC-basierten Student-Touchpoints wesentlich höher zu bewerten. Die zukunftsweisende Technologie beinhaltet nach ihrer infrastrukturellen Implementierung keine erheblichen Folgekosten. Gestaltungs-, Herstellungs-, Einführungs-, Versands-, Inbetriebnahme/Freischaltungs-, Austauschkosten einer MFK entfallen.
Ein weiterer Vorteil umfasst die Senkung administrativer Aufwände. Aufgrund des enormen Informationspotenzials können STP die persönlichen Nach-/ Rückfragen von Studierenden innerhalb der Verwaltung minimieren und schaffen so Ressourcenfreiräume. Die Aufgaben des Informationspersonals können somit auf Kernfunktionen fokussiert werden.
Desweiteren kann mit einer verbesserten Kommunikation durch die STP gerechnet werden. Die Nutzung ihrer mobilen Endgeräte gewährleistet den Studierenden eine einfache Usability. Die intuitive Verwendung der STP passt hierbei perfekt zum Einsatz der privaten Smartphones.
Damit die Universität Kassel auch in Zukunft eine attraktive Ausbildungsstätte bleibt, ist ein effizientes Hochschulmarketing notwendig. Die STP könnten in diesem Zusammenhang die Attraktivität der Universität Kassel, insbesondere bei technologie-affinen Studierenden, erhöhen. Indem die Universität Kassel mittels neuester Technologie ein möglichst prägnantes und gleichzeitig unkompliziertes Serviceangebot für potenzielle Studierende bereitstellt, trägt sie auf marketingstrategischer Ebene zum Image einer progressiven sowie fortschrittlichen Hochschule bei. So wird der potenzielle Studierende einerseits schon vorab bei der Wahl seiner Universität werblich angesprochen und positiv beeinflusst. Andererseits stellen die STP eine enorme Informations- und Orientierungshilfe für Studienanfänger während der ersten Wochen (Einführungsphase) dar. Zusätzlich erleichtern sie jedoch auch den Uni-Alltag im Verlauf des Studiums, indem sie aktuelle Infos und nützliche Applikationen bereitstellen.

Fazit

Die Implementierung von Studend-Touchpoints kann eine zukunftweisende Investition darstellen, welche es der Universität Kassel erlaubt, einerseits das Studienerlebnis bzw. die Servicequalität für die Studierenden zu erhöhen. Andererseits unterliegen auch Universitäten einem gewissen Wettbewerb, aufgrund dessen die Hochschulen ein Gesamtpaket schnüren müssen, welches einen möglichst hohen Nutzen für ihre potenziellen Studenten darstellt. In diesem Zusammenhang könnten die STP eine USP sein und die Reputation der Universität Kassel positiv beeinflussen.
Sicherlich ist ein Einsatz dieser Technik vorerst auf vereinzelte Einsatzgebiete im Rahmen eines Pilotierungsprojektes sinnvoll, um Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit auf universitärer Ebene zu prüfen. Dennoch könnte der mittel- bis langfristigen Charme dieses Trends zukünftige Potenziale erschließen. Zudem erforscht die Universität Kassel bereits auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik die NFC-Technik im Rahmen der medizinischen Versorgung.

Bilder: 
Student Touchpoint